Digitale Identität: Das Ich im Netz

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In den 90er Jahren träumten die Menschen noch von einem zweiten Leben im Cyberspace, von einem neuen, digitalen Universum, in dem man sich jeden Tag neu erfinden und wo man sein Aussehen, Namen und sogar das Geschlecht jederzeit wechseln konnte. In Chat-Rooms und Foren traten die Teilnehmer unter immer neuen Pseudonymen und Nicknames auf und experimentierten mit ihrer Identität, ohne wirklich etwas von sich preiszugeben.


Heute hat sich der Umgang mit dem Ich im Netz gewandelt: Der moderne Web-Bewohner will identifiziert und gefunden werden, er will sichtbare Spuren hinterlassen - und er beginnt, sein Profil aktiv zu managen: Er lädt seine Filme auf Youtube hoch, seine Fotos auf Flickr, knüpft Geschäftskontakte auf Xing, verwaltet seine Lesezeichen auf Mister Wong, bleibt mit Studienfreunden über Facebook in Verbindung und sondert permanent Statusmeldungen auf Twitter ab - und all das meist unter seinem echten Namen. Wird unser Erscheinen im Web zu einem festen Bestandteil des Ichs, und welche Folgen hat das für unser Leben? Diese Fragen untersucht der Elektrische Reporter in einer neuen Folge.


Mitwirkende: Danah Boyd, Cory Doctorow, Geert Lovink, Randi Zuckerberg, David Kirkpatrick, David Gelernter; Autor: Mario Sixtus; Mitarbeit: Julius Endert; Kamera: Dominic Kennedy, Iris Jungels, Andreas Proß; Schnitt: Dominic Kennedy, Stefan Jähner; Sprecher: Petra Bröcker, Torsten Altenhöner, Nadine Schaub; Zeichnungen: Johannes “Beetlebum” Kretzschmar; Bildredaktion: Theresa Schwär; Studio-Konstruktion: Axel Ganz; Titelmusik: Mario Sixtus; Musik: Serphonic, Silence, Les Garcons Jouffleus, DJ Answer, Ehma; Bildmaterial: Internet Archive, Prelinger Archive; Redaktion ZDF: Bernhard Fritsch, Peter Wagner; Produktion: Blinkenlichten Produktionen im Auftrag des ZDF in Zusammenarbeit mit Handelsblatt.com; (c) 2010 ZDF, (cc) by-nc-sa

5.03.2010 | Link/Einbetten | Kommentare [24] | Versenden | Bookmark:      

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Kommentare:

Eine sehr gute Untersuchung und Frage. Das digitale Ich ist schon längst Teil unseres Ichs. Es ist nur eine Frage der Zeit, was sich daraus wandelt, verändert und schon längst verändert hat. Die Frage ist, wie gehe ich damit um? Wie kann ich damit umgehen?

Kommentar von Inga Dragic Oltersdorf, geschrieben am 5.3.2010.

Vielleicht ist ja beides schrecklich, das Jackett von Cory Doctorow und die Verwendung von Hermann-Hesse-Zitaten.
Nein, Im Ernst: guter Beitrag.

Kommentar von drikkes, geschrieben am 5.3.2010.

Ein faszinierendes Thema, toller Beitrag.

Àpropos: Ist es auch möglich den Beitrag wie er ist zu schauen ohne das die englischen Interviewpartner übersetzt werden?

Kommentar von Epenschmiede, geschrieben am 5.3.2010.

Ich bin erfreut. Endlich die eigenen Gedanken wissenschaftlich unterfüttert. Die Persönlichkeiten für unterschiedliche Gruppen, die nun vereint werden soll. Das ist so jedoch nicht möglich. Jedenfalls nicht ohne Verlust.

@Epenschmiede Unter Rohstoff gibt es zumindest ein paar Interviews in Originalfassung, nur mit Untertiteln. http://www.elektrischer-reporter.de/rohstoff/

El Rep ohne Übersetzung fände ich auch gut.

Kommentar von Looka, geschrieben am 5.3.2010.

Wahrscheinlich ist die Eppenschmiede ein native American, deshalb habe ich ihre Frage mal in korrektem Deutsch nachgestellt.

"Ist es auch möglich, den Beitrag wie er ist zu schauen, ohne dass die englischen Interviewpartner übersetzt werden?"

Da wird der Wunsch doch gleich verständlicher. Hätte nämlich sogar ich als vaterländischer Muttersprachler Interesse dran.

Kommentar von drikkes, geschrieben am 5.3.2010.

Moin "vaterländischer Muttersprachler",

mit nativem Olivenöl oder Winnetou habe ich recht wenig zu tun - die Grammatik-Brennzellen müssen morgens nur manchmal etwas warm laufen.

Epenschmiede (nordisch by nature)

Kommentar von Epenschmiede, geschrieben am 5.3.2010.

Ich habe Epenschmiede verständlich gefunden. Vielleicht war aber meine Antwort unverständlich.

Natives Olivenöl mag ich, komme aber aus den Bergen. Grammatik-Brennzellen verbrennen Informatik? Brennstoffzellen werden meines Wissens nicht warm. Aber das ist auch nur so überflüssiger Senf.

Kommentar von Looka, geschrieben am 5.3.2010.

Naja ... vielleicht ist dieser ganze Netzidenditätsschmarrn ja nur ein weiterer (kleiner) Stern am Firmament unserer Ichs? Wäre das nicht am plausibelsten? Und wenn man sich das Lächeln der FaceBook-PR-Tante anschaut, ahnt man schon, dass man auch trotz Facebook unglaublich unauthentisch bleiben kann.
Man sollte bei diesen "Publikationen" (FB-Profil) einfach die gleichen Maßstäbe anlegen, wie bei anderen öffentlichen Äußerungen auch. Wer erzählt auf einer Party mit dem Arbeitgeber schon, dass er in den katholischen Sexklub geht? Ich denke diese Form der Datenhygiene wird die Crowd schon noch lernen.
Ich ahne, was der Sixtus wohl meint, meine aber, dass er den zu erwarteten Effekt zu sehr aufbläst.
Wer mehr zum Standpunkt Sixtus' in Bezug auf diese Problematik sehen will, für den gibts auch dort (generell sehr gute Quelle!) was:
http://www.dctp.tv/#/meinungsmacher/mario-sixtus-deutschlands-fernseh-nerd

Kommentar von tech-o-matic, geschrieben am 5.3.2010.

Weder Party noch katholischer Sexclub sind öffentlich. Facebook und Blogs sind es. In den meisten Fällen.

Anstatt dass ich online nur noch das kommuniziere, was ich einem weltweiten Fernsehsender sagen würde, ändere ich meine Grundeinstellung und versuche meine unterschiedlichen Identitäten in eine zu packen, sowie habe weitere Personas mit denen ich den Rest kommunizieren kann.

Kommentar von Looka, geschrieben am 5.3.2010.

Die Parties die ich so kenne, die sind öffentlich (wenn gleich natürlich nicht gleich die ganze Welt daran teilnimmt) ...

Wenn du meinst, der Mensch und das was ihn zum sozialen Wesen macht, lässt sich in der von dir angedeuteten Weise verbiegen ("ändere ich meine Grundeinstellung"), dann kann ich dir nur viel Erfolg wünschen. Auf mich müssen du und deine homogenisierten "Freunde" dabei allerdings verzichten.

Nochwas: Meinst du (beispielsweise) Sixtus wirklich zu kennen? Er ist ja nun nicht gerade unterrepresentiert in den angesprochenen Netzwerken. Was ich damit andeuten will, ist die offene Frage, wie tief diese sozialen Netzwerke eine Persönlichkeit überhaupt abbilden können ... immerhin wird im Beitrag ja ein absoluter Anspruch dahingehend postuliert.

Kommentar von tech-o-matic, geschrieben am 5.3.2010.

Nein, ich meine Sixtus nicht zu kennen. Habe ich das in irgendeinem Punkt durchscheinen lassen? Ich meine einen just4ikarus zu kennen. Dort ist aber die Bekannschaft inzwischen aus dem Netz ins offline und wieder zurück gegangen.

Ich gebe dir Recht, dass es nicht möglich ist, eine Persönlichkeit absolut abzubilden, doch das schaffe ich auch im Alltag nicht. Erst durch die unterschiedlichen Teile werden wir zum ganzen.

Die Problematik sehe ich dort, wo ich bisher nur bestimmte Eigenschaften von mir bekannt gegeben habe. Stichwort Kunden. Durch das Web diese Gruppen aber auch mehr von mitbekommen, wie etwa Hobbies oder andere Kunden. Mit dem Ändern der Grundeinstellung meine ich, dass mir diese Überschneidungen egal sein müssen, bzw. dass ich damit umgehe und versuche ein authentisches Bild für alle zu erzeugen.

Bei den Partys habe ich möglicherweise als Österreicher ein anderes Verständnis des Wortes. Eine Party findet bei Freunden statt, nicht an einem öffentlichen Ort. Das wären dann Veranstaltungen, Discos, wasauchimmer.

Kommentar von Looka, geschrieben am 5.3.2010.

Was Fatzebook & Co angeht, einfach abwarten. Die Euphorie wird sich spätestens legen, wenn Online-Raids zum Volkssport geworden sind.
Also demnächst.

Ps: 1337hax0r vs. 25macpirateneihamburg = +1 Internets lol

Kommentar von Bleem, geschrieben am 6.3.2010.

Das mit den "Einzelgängeraffen" und den "Gruppenaffen" hätte man herauslassen sollen, weil biologische Merkmale und Hirnareale keinen Beitrag zur Erklärung komplexer sozialer Phänomene wie z.B. modernen Gesellschaften oder dem Internet der Gegenwart leisten. Soziales lässt sich einfach nicht aus Individuellem erklären. Es wäre besser, nach Erklärungen zu suchen, die sich auf die Gesellschaft grob unserer Zeit beschränken. Z.B.: Im kulturellen Muster der USA, wo Facebook als heute marktdominierende SNS herkommt, gibt es keine klare Separierung zwischen Erwerbsarbeit und dem Leben außerhalb von Erwerb und Karriere, und auch die Bedeutung des Wortes "Freund" ist eine andere - hier sind kulturelle Unterschiede am Werk, und es kann zu Angleichungsprozessen kommen, wenn wir massenhaft Facebook benutzen.

Kommentar von Tina Guenther, geschrieben am 6.3.2010.

Die Berliner Gazette hat zu diesem Thema ein Buch herausgegeben, das Stimmen aus den letzten zehn Jahren Total-Vernetzung einfängt:
http://berlinergazette.de/anthologie/vernetzt/

Kommentar von Berliner Gazette, geschrieben am 8.3.2010.

Schöne Folge, wie üblich wink
Da kommen Gedankengänge zum Zug, die ich mir noch gar nicht gemacht habe, ich sah bisher nur die Nachteile, die der Datenschutzbund (wie hieß der nochmal?) propagiert hat.

@Tina Guenter:
Wenn keine biologischen Merkmale uns den Antrieb geben, soziale Netzwerke aufzubauen, was dann? Wir Menschen können uns meinetwegen für alles halten, was wir wollen aber wir funktionieren nun mal genau so wie die anderen Lebewesen. Mensch hat einen ausgeprägten Gemeinschaftssinn und das Internet ist eine erstklassige Plattform dafür, ihn auszuleben.

Oder können Sie mir einen anderen Grund nennen, warum Internetgemeinschaften (ausgenommen diejenigen um OpenSource-Software) überhaupt entstanden sind?

@Mario Sixtus
Was ist dran an dem Gerücht, dass der Elektrische Reporter zum 19. März aufhören wird? Gibt es ein neues Projekt?

(Quelle: http://www.gulli.com/news/elektrischer-reporter-anonym-im-web-zu-sein-war-gestern-2010-03-05)

Kommentar von Ignatz, geschrieben am 8.3.2010.

Spannend finde ich, dass in sozialen Netzen wie Facebook & Co Menschen immer öfter ihr tatsächliches Ich etablieren, also kein virtuelles Alter Ego mehr, wie beispielsweise in Second Life. Mit diesem digitalen Wolkenkuckucksland konnte ich übrigens nie was anfangen, denn ich finde nichts, absolut nichts ist so spannend, wie das echte reale Leben. Daher hat mich diese Realitätsflucht ins digitale Zweitleben nie interessiert.

In Facebook ist der Mensch heute fast immer der, der er auch im realen Leben ist. Der echte dicke 40-jährige Max Mustermann bleibt auch digital Max Mustermann und mutiert nicht zur 21-jährigen drallen Blondine Berta Beispiel. Mit anderen Worten, die virtuelle Welt wird immer realer.

Kommentar von Andreas, geschrieben am 9.3.2010.

Kannst du Dödel gefälligst mal auf meine Mail antworten? Was is´n das für ´ne Art? Hier wird irgendwo dazu aufgefordert, bei Interesse an Mitarbeit sich zu melden, dann tut man das -- und bekommt keine Reaktion? Gehts noch?! Verarschen kann ich mich selbst.

Kommentar von Till, geschrieben am 9.3.2010.

that video is great, thanks for that

Kommentar von research papers, geschrieben am 20.3.2010.

Es ist aber schon irgendwie witzig, das auf politischer Ebene für bzw. gegen die völlige Offenbarung persönlicher Daten gekämpft wird, während viele User völlig freiwillig online ein sehr großen Teil an persönlichen Informationen preisgeben.

Ich bin kein wirklicher Fan von Social Networks, aber nutzen tu ich Sie trotzdem. Und ich (sowohl mein digitales als auch mein reales Ich smile ) finde es immer wieder verblüffend wie schnell und effizient diese Netzwerke sind.

Kommentar von Snooker-Classic, geschrieben am 27.3.2010.

ochwas: Meinst du (beispielsweise) Sixtus wirklich zu kennen? Er ist ja nun nicht gerade unterrepresentiert in den angesprochenen Netzwerken. Was ich damit andeuten will, ist die offene Frage, wie tief diese sozialen Netzwerke eine Persönlichkeit überhaupt abbilden können ... immerhin wird im Beitrag ja ein absoluter Anspruch dahingehend postuliert

Kommentar von bildhoster, geschrieben am 2.4.2010.

Wenn ich 20 Jahre zurück in Deutschland denke, dann hat es sich doch ein grosser Wandel in den Werten vollzogen. Damals war die Volkszählung und die Republik stand Kopf. Heute stellt jeder seine persönlichen Daten mit Bildern ins Internet und das macht keinen Unterschied ob es Kinder oder Erwachsene sind. Schon erstaunlich. wie sich die Werte gewandelt haben.

Kommentar von hawthorne, geschrieben am 12.4.2010.

Ja, interessant und beängstigend. Es ist nicht unbedingt nur so, dass sich der Umgang allgemein hin gehend dahin entwickelt hat, dass jeder unbedingt gesehen werden will... Irgendwie habe ich manchmal den Eindruck, eigentlich alle die, die man sehen sollte, die haben ihr Schluploch gefunden, aus dem vorher alle die gekrochen kamen, die keiner sehen wollte....

Kommentar von Makaveli85, geschrieben am 15.4.2010.

schöner beitrag

Kommentar von uwe, geschrieben am 7.9.2010.

Wirklich ein interessanter Gedanke, mit der Verschmelzung der unterschiedlichen Persönlichkeiten. Am ehesten trifft meines Erachtens allerdings die Theorie der "Marke" zu. Wenn die - sicher noch etwas andauernde - Zeit des sorglosen Umgangs vieler mit Social Networkings dereinst überwunden sein wird, dann werden die Teilnehmer darauf sensibilisiert sein, sich selbst als homogene Marke für seine, in den Freundeslisten etablierten, Kontakte zu präsentieren.

Das muss nicht zwingend im Widerspruch, oder gar als Einschränkung, der unterschiedlichen Persönlichkeiten eines Menschen empfunden werden. Denn eine Netzidentität ist dann zwar personalisiert, aber deshalb noch längst nicht authentisch in der Realität. Das soziale Wesen Mensch wird, wie z.B. auch in der Partysituation, eine adäquate Ausdrucksweise zu einer, der konkreten Situation angemessenen, Selbstdarstellung finden.

Kommentar von OneOfManySelfPresentersInTheInternet, geschrieben am 13.9.2010.

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